Motivation
Spielgeschehen im Zentrum
Die Entwicklung der Computerspiele hat, vor allem durch die exponentiell wachsenden Mächtigkeiten ihrer Engines, im Bereich visueller Möglichkeiten enormes Potential entwickelt. Doch nach dem steilen Anstieg der technischen Innovationskurve auf Seiten der Spiele ist es nun an der Zeit, sich stärker um die Spieler zu kümmern. Ihre affektive Bindung an Spielgeschehen und Mitspieler ist der Schlüssel zum Erfolg eines Spieles.
Emotionale Spielkonzepte
Die emotionale Beteiligung der Spieler ist weit facettenreicher, als es die mediendominierenden Shooter Games vermuten lassen. Wie sieht es zum Beispiel mit nicht aggressionsbasierten Konzepten, die liebevolle Zuwendung fordern statt schnelles Töten zu trainieren, aus? In der Erforschung der narrativen und emotionalen Intelligenz von Spielkonzepten liegen brachliegende Entwicklungschancen. Hier Wege aufzuzeigen, ist Ziel des Symposiums.
Ziel der Veranstaltung
Es sollen Strategien zur emotionalen Involvierung von Spielern in unterschiedliche Spielgenres, von klassischen PC Games über Mobile Games und Pervasive Gaming Konzepte, kritisch reflektiert, beispielhaft vorgeführt und praktisch erprobt werden. Eigene Beachtung finden Projekte, die in Kunstkontexten entstanden sind und medienpädagogische Fragestellungen. Die Verbindung von Theorie und gestalterischer Praxis ist dabei entscheidendes Kriterium für das Design der Veranstaltung.
Horst Konietzny
Hochschule Augsburg, Fakultät für Gestaltung, AG MOX
Emotional Gaming
Netzwerke
Das kulturelle Phänomen Gaming ist ein intermedialer, transindividueller und offener Interaktionsprozess-Prozess, der durch nichttraditionelle räumliche und zeitliche Kommunikationsformen, durch die Oszillation zwischen technischem, strategischem und ästhetisch-theatralem Handeln sowie durch in sich differente, wandelbare und einander überlagernde Entwurfs-Kollektive bestimmt ist. Infolge der Verteilung von spielerischer Verfügungsmacht an komplexe dezentralisierte Netzwerke disparater Individuen, Apparaturen und medialer Autoritäten weichen die scheinbar rigiden Grenzen zwischen technischer Effektivität, strategisch-ökonomischer Effizienz und affektiv-performativen Dispositionen auf. Das wird evident an der Verschränkung von funktionalem Handeln – das sowohl für das Game Design wie für das Spielen als solches konstitutiv ist –, und spielerischem, höchst ‚lustbetonten’ Agieren, welche für eine umfassende distribuierte Ästhetik des Spiels kennzeichnend ist.
Emotionale Verlinkung und mediale Intensität
Die multiplen Relationen und komplexen Wechselwirkungen zwischen virtuellem Spiel-Raum und realer Welt lassen mithin die Frage nach der affektiven Affizierungsmacht von Gaming aufkommen: Inwieweit interagieren Mensch, virtuelle Topographie und technische Apparatur gerade auch über emotionale Verlinkungen und inwiefern konstituieren affektive Bindungen ein Feld medialer Intensität, die dem Gaming seine Attraktivität sichert?
Die immersive Qualität digitalen Spielens konstituiert möglicherweise ein energetisches Netzwerk, innerhalb dessen die Grenzen zwischen Menschen und Maschinen, zwischen Technologie und Biologie, zwischen ‘inneren’ Gefühlen und bloßen technischen Impulsen durchlässig werden oder profunden Verschiebungen ausgesetzt sind. Dies hat nicht nur tiefgreifende Auswirkungen auf unsere aktuellen sozialen und moralischen Vorstellungen, sondern beeinflusst auch unser zukünftiges Verständnis von ‚Menschlichkeit’, einschließlich des menschlichen Körpers als wesentlichen Instruments von Wissens- und Erfahrungserwerb sowie unseres Weltbegreifens.
Kulturelle Dynamik
Die auf dem Symposium gehaltenen Vorträge werden mithin besonders um diejenigen Fragen kreisen, die sich aus der Verschränkung von formellen und/oder informellen, disziplinierten und/oder undisziplinierten, intellektuellen und emotionalen, pragmatischen und ästhetischen Prozessen spielerischen Erfahrens und ludischer Kommunikation ergeben. Affektmanagement, ästhetisches Empfinden und sinnlich-affektive Kreativität (vor allem, was die Erschließung körperbasierten Entwurfswissens anbelangt) werden nicht nur als Bestandteile spezieller Spielformate, sondern als Bedingungskriterien der kulturellen Dynamik von Gaming betrachtet: Sie eröffnet die Möglichkeit zur spielerischen Aneignung ‚post-humaner’ Lebensstile, in welchen die Demarkationslinien zwischen Technologie, Ökonomie und Spiel instabil geworden sind.
Dr. Jörg von Brincken
Forschungs-Projekt: Game Culture als Performance
des LMU-Ideenfonds-Projekts Networking: Zur Performanz distribuierter Ästhetik
Theaterwissenschaft München
Department Kunstwissenschaften
Ludwig-Maximilians-Universität

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